TV-Video-Capturing mit der TV-Karte Medion 9415 TV und der Software ChrisTV Prof. 4.05

für Windows 2000, XP und Server 2003

Gliederung

Allgemeines
Softwareanforderungen
Vorgehen
Probleme

Allgemeines

Die Medion 9415 PCI ist eine Standard-TV-Karte (Stereo) mit dem weit verbreiteten BT878-Chipsatz und Tuner von Philips, die für qualitativ hochwertige Aufnahmen durchaus geeignet ist. Ich hatte jedoch zu Beginn mit einigen Capturing-Programmen Schwierigkeiten, vor allem im Hinblick auf eine Videoauflösung ab 640x480, was oft in Abstürzen bzw. einem eingefrorenen Betriebssystem resultierte. Die vielfältigen Treibervarianten für die Karte bzw. den Chipsatz, die im Internet zu finden sind, haben hierbei keinen Unterschied gemacht, so dass ich im Zweifel ruhigen Gewissens auf die Originaltreiber von der Medion-Seite verweisen kann.

Die Capturing-Software ChrisTV ist zwar ein kommerzielles Programm (Shareware), es hat sich aber bei mir im direkten praktischen Vergleich mit freier Software (z.B. VirtualVCR, welches gern abstürzt und schon seit längerem nicht mehr weiterentwickelt wird) durch Stabilität und eine hervorragende Konfigrierbarkeit ausgezeichnet. Wenn man öfter Sendungen aufzeichnen will, lohnen sich die 35 Euro für eine Vollversion. Zu der Software gehört auch ein praktischer Agent, mit dem man regelmäßige Aufnahmen steuern kann.

Mittlerweile habe ich die Medion gegen eine Hauppauge WinTV PCI getauscht, der Chipsatz ist dabei aber der gleiche geblieben. An der Qualität ändert das nichts, die Hauppauge ist nur ein bisschen einfacher zu installieren und wird von mehr Programmen standardmäßig unterstützt. Nun aber zum Vorgehen...

Folgende Software wird benötigt:

Anmerkungen zur Installation der XviD- und LAME-Codecs

Von der XviD-Homepage kann man nur die MS-VisualStudio-Quellen (Sources) herunterladen, deren "Installation" vielleicht nicht jedermanns Sache ist ;-). Die aktuellen Binaries in Form eines Windows-Installers gibts auf dieser Seite. Ähnlich verhält es sich mit dem LAME-MP3-Codec, den man z.B. hier in Form eines Win32-Installers downloaden kann.

Vorgehen

Nachdem man ChrisTV und die Senderliste eingerichtet hat, sollte man sich die Aufnahme-Einstellungen vornehmen. Meiner Meinung und Erfahrung nach empfiehlt es sich nicht, beim Aufnehmen gleichzeitig Video und Audio zu komprimieren. Selbst auf einem Hochleistungs-PC kann es gerade bei längeren Aufzeichnungen passieren, dass dabei der Audio-Stream mit der Zeit nicht mehr mit dem Video-Stream synchron läuft. Außerdem geht die gleichzeitige Komprimierung so zu Lasten der Video-Qualität, für die dann weniger Ressourcen zur Verfügung stehen, was sich dann am Ende in einem ruckelnden Video äußert. Da man das Video sowieso nachträglich in VirtualDub bearbeiten muss, um Teile am Anfang und Ende wegzuschneiden, kann man auch die Audio-Kompression in diesem zweiten Schritt durchführen. In ChrisTV habe ich also bei den Audioeinstellungen zum Capturing keine Auswahl getroffen, d.h. der Tonstrom wird vorerst unkomprimiert auf die Platte geschrieben.

Um später im Vollbild-Modus auf dem Monitor oder einem externen TV-Gerät (4:3-Modus) eine ansehnliche Bildqualität zu erzielen, empfehle ich die Aufnahme in einer Auflösung von 384*288 oder 512*384 Bildpunkten. Der Platzbedarf auf der Festplatte für einen typischen ARTE-Themenabend (ca. 150 Minuten) liegt dann mit diesen Einstellungen bei ca. 4,5 GB. Dabei macht den größten Teil der unkomprimierte Audio-Strom aus und nach der Überarbeitung in VirtualDub (Audio- und nochmalige Video-Kompression) liegt die letztendliche Größe des Videos in der Regel bei ca. 800 MB.

Das Vorgehen nochmals in Stichpunkten:

Probleme

Seit meiner letzten Neuinstallation des Betriebssystems (Windows XP Professional) habe ich beim Capturing vermehrt Synchronisations-Probleme erfahren, d.h. besonders bei längeren Aufnahmen (eben die Themenabende) "entfernte" sich der Audiostrom mit der Zeit immer mehr vom Videostrom. Nach zwei Stunden Aufnahme waren das das dann machmal gut und gerne zwei Sekunden Verzögerung. In meinem alten System (Windows 2003 Server) hatte ich dieses Problem mit der gleichen Software nie. Ob es nun am Betriebssystem direkt (womöglich auch XP Service Pack 2 ???) oder an einer anderen ungünstigen Konstellation liegt, kann ich nicht sagen.

Nach unendlich langen (und meist fruchtlosen) Recherchen in Internet-Foren und anschließenden Tests konnte ich folgende Punkte finden und als Ursachen für das Problem identifzieren:

Auf keinen Fall jedoch wollte ich beim Capturing nicht auf die gleichzeitige Enkodierung (XviD) verzichten, denn diese Fähigkeit sollte man von einem PC der neueren Generation schon verlangen können. Weil es sich immer dergestalt zeigte, dass der Sync-Fehler schon vor der Nachbeabeitung in VirtualDub auftrat, scheidet letzteres als Ursache aus.

Nun will ich in zwei Schritten vorgehen. Zunächst für mich und für diejenigen, die ähnliche Probleme haben, ein kleiner Workaround, um eine fehlerhafte Aufzeichnung im Nachinein wieder eingermaßen synchron zu kriegen. Dies ist aber nur ein semiprofessioneller Workaround und keine perfekte Lösung, denn eine solche konnte ich nach allen Recherchen nicht finden. Die Audiospur müsste dafür schon mit exotischen Tools und auf die konkrete Datei abgestimmten Berechnungen gezerrt bzw. dynamisch verlangsamt werden, wenn Audio- und Video-Stream dieselbe Länge haben.

Workaround zur Nachsynchronisierung eines AVIs mit zunehmend asynchroner Ton- und Videospur

Für den Workaround gelten die folgenden Voraussetzungen:

In Zusammenarbeit mit VirtualDub ist dann folgendes zu tun (Vorsicht, ein wenig stressig ;-):

So. Die Umständlichkeit des Verfahren mag zwar so manchen abschrecken, aber ich kann nicht mehr sagen, als dass es bei mir hervorragend funktioniert hat. Wer eine bessere Möglichkeit gefunden hat, möge mir dies bitte mitteilen! Im zweiten Schritt will ich nun aufzeigen, wie man das Problem durch die richtigen Einstellungen in ChrisTV (oder analog auch in anderen Capturing-Tools) im Vornherein vermeidet.

Einstellungssache: Synchrone AVI-Capturing-Videos mit ChrisTV Professional

Zunächst möchte ich jeglichen allgemeingültigen Geltungsanspruch von mir weisen. Die Einstellungen, die ich gewählt habe, haben jedoch bei mir zur Vermeidung der o.g. Problematik geführt. In ChrisTV habe ich also unter
General Settings -> Recording Settings -> AVI Recording -> Audio/Video Settings folgende Einstellungen getroffen:

Die Detaileinstellungen zur Kompressionsrate mit XviD können individuell festgelegt werden.

Wichtig sind nun in diesem Zusammenhang besonders die Einstellungen unter dem Punkt Additional Settings:


Unter AVI Mux Settings sollte Audio als Master Stream gewählt werden, damit sich
die gesamte Aufzeichnung daran orientiert. Der Punkt Use streams offset
rechts daneben kann sicherlich auch nicht schaden.

Fortsetzung folgt...