BURKA, OPIUM, TALIBAN: BRENNPUNKT AFGHANISTAN

Knapp drei Jahre nach dem Sturz der islamistischen Taliban ist das Land am Hindukusch auf dem Weg zu freien Wahlen - den ersten seit 40 Jahren. Der Weg zur Normalität ist mühsam und lang. Afghanistan ist noch immer eine Stammesgesellschaft, geprägt von archaischen Traditionen und vom islamischen Glauben. Die Loyalität der Bevölkerung gilt nach wie vor in erster Linie dem eigenen Clan, nicht dem Staat. Der Themenabend befasst sich mit aktuellen Problemen des Landes, die politischen und sozialen Sprengstoff beinhalten: Taliban, illegaler Mohnanbau, Situation der Frauen.
 

Teil 1: Vollmohn
Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Von: Harald Brand, Ghafoor Zamani

Rohopium ist der Ausgangsstoff für die Produktion von Heroin. Und dieses Rohopium wird aus Mohn gewonnen, einer anspruchslosen Pflanze, die im rauen und trockenen Afghanistan problemlos wächst. Mittlerweile stammen etwa zwei Drittel der weltweiten Opiumproduktion aus Afghanistan. Die Dokumentation zeigt die Situation im Norden des Landes, wo fast jeder vom illegalen Mohnanbau lebt.

Etwa zwei Drittel der weltweiten Opiumproduktion kommen aus Afghanistan. Das begehrte Rohopium, aus Mohn gewonnen, ist der Ausgangsstoff für die Heroinproduktion. Offiziell ist der Mohnanbau verboten, aber viele Afghanen sichern sich mit ihm ihr Überleben. Afghanistan ist ein sprödes und trockenes Land. Schroffe Gebirgszüge und lehmbraune Steppe beherrschen das Landschaftsbild. Es fehlt an vielem, auch an Bewässerungsanlagen und Straßen. Aber Mohn ist einfach anzubauen, er ist anspruchsloser als Weizen und Gemüse. Das daraus gewonnene Opium lässt sich zudem leicht transportieren und zu hohen Preisen verkaufen. Seit dem Sturz der Taliban hat der Mohnanbau drastisch zugenommen. Viele ehemalige Mudschaheddin sind Opiumbauern geworden. Die afghanische Regierung und die Uno bekämpfen den illegalen Mohnanbau - bislang jedoch mit wenig Erfolg. Es fehlt an Alternativen. Der Film zeigt die Lage in Badachschan. Hier im Norden Afghanistans lebt fast jeder vom Mohnanbau.

Teil 2: In den Ketten der Ehre - Das Frauengefängnis von Kabul
Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Von: Wiltrud Kreme

Vor allem in den ländlichen Gebieten Afghanistans herrschen auch heute noch archaische Ehr- und Moralvorstellungen, die vor allem den Frauen die Freiheit beschneiden. Der Film beschreibt Frauenschicksale im heutigen Afghanistan und stellt zwei Hilfsorganisationen vor, die sich um Frauen in Not kümmern.


Die meisten von den 55 Frauen im Gefängnis von Kabul sitzen wegen Verstößen gegen die herrschende Moral. Ihre eigenen Väter, Brüder oder Ehemänner brachten sie hinter Gitter. Trotz einer neuen Verfassung sind die afghanischen Frauen von einem freien Leben noch immer weit entfernt. Vor allem außerhalb der Hauptstadt Kabul. Auf dem Land hat sich seit Jahrhunderten kaum etwas geändert. Paschtunisches Stammesrecht und islamische Scharia bestimmen nach wie vor das Leben der Menschen. Archaische Ehr- und Moralbegriffe beschneiden vor allem die Freiheit der Frauen. Der Film beschreibt Frauenschicksale im heutigen Afghanistan. Er berichtet über Scharifa, die ihrem Mann weglief, weil er sie misshandelte, und über Maika, der vorgeworfen wird, an der Ermordung ihres Mannes beteiligt gewesen zu sein. Und er stellt "Medica Modiale" und "Rawa" vor, zwei Frauenhilfsorganisationen, die sich für Frauen in Not einsetzen.

Teil 3: Im Land der Taliban
Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Von: Ghafoor Zamani

Der Film unternimmt eine gefährliche Reise durch das paschtunische Stammesgebiet, die Hochburg der Taliban. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie viel Einfluss die Taliban nach ihrer Entmachtung noch auf die Paschtunen haben.


Die Taliban sind zwar entmachtet, aber das heißt nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Modernes, westlich geprägtes Leben, wie man es zum Teil in Kabul vorfindet, wird von vielen Afghanen bereits wieder als sündhaft und den Vorschriften des Islam nicht entsprechend verurteilt. Der Film macht sich auf eine Reise in das paschtunische Stammesgebiet, die Hochburg der Taliban. Haben die Taliban noch immer Rückhalt bei den Paschtunen? Welche Ziele verfolgen sie heute? Rund 450 Kilometer legt das Filmteam zurück, zunächst über Straßen, dann folgen Sand- und Schotterpisten. Schließlich der berühmte Kyberpass. Es ist eine lebensgefährliche, beschwerliche Fahrt durch das schroffe Land der Taliban.

 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...