DIE TÜRKEN VOR BRÜSSEL - IN EUROPA WILLKOMMEN?

Die Türkei ist ein wichtiger Partner für Europa - wirtschaftlich, militärisch, strategisch. Doch kann sich der Traum der Türkei - eine endgültige Aufnahme in die EU - tatsächlich in absehbarer Zeit erfüllen?

Gibt die Europäische Union am 17. Dezember der Türkei ihr "Ja-Wort"? Was steht auf dem Spiel, wenn die Beitrittverhandlungen mit dem Land am Bosporus beginnen? Ist ihr Ergebnis offen? Der Themenabend stellt die wichtigsten Fragen der EU an die Türkei und wägt das Für und Wider von Beitrittverhandlungen ab. Die zwei Dokumentationen des Abends erzählen aber auch von den Erwartungen der türkischen Bevölkerung und der rasanten Dynamik einer sich im Aufbruch befindenden Gesellschaft.

 
Teil 1: Annäherung auf Distanz - Die Türkei und die EU
Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Von: Sabine Küper, Thomas Büsch

Was verbindet den türkischen Außenminister mit dem kurdischen Bürgermeister von Diyarbakir, mit Vertretern der armenischen Kirche, türkischen Soldaten und sogar gemäßigten Islamisten? Sie alle erhoffen sich von einer EU-Mitgliedschaft der Türkei eine beschleunigte Modernisierung ihres Landes - in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Doch ist die Türkei reif für Europa? Ist Europa reif für die Türkei?


Was verbindet den türkischen Außenminister mit dem kurdischen Bürgermeister von Diyarbakir, mit Vertretern der armenischen Kirche, türkischen Soldaten und sogar gemäßigten Islamisten? Sie alle erhoffen sich von einer EU-Mitgliedschaft der Türkei eine beschleunigte Modernisierung ihres Landes - in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht.
Doch ist die Türkei reif für Europa? Ist Europa reif für die Türkei? Während die Türken selbst eine EU-Mitgliedschaft weitgehend befürworten, scheint der Gedanke an eine integrierte Türkei die Europäische Union zu spalten.
"Welche Identität für welches Europa?" ist nur eine der momentan kontrovers diskutierten Fragen. Die gemeinsame Geschichte beeinflusst die Debatte ebenso nachhaltig wie die die veränderten Kräfteverhältnisse in der Weltpolitik nach dem 11. September. Die von Samuel P. Huntington verkündete These vom "Kampf der Kulturen" bekommt neue Anhänger.
Prognosen gehen davon aus, dass der Beitritt die EU so viel kosten würde, wie im Fall der zehn neuen Mitglieder zusammen. Übernimmt sich die EU mit einer Aufnahme der Türkei? Wie lässt sich der wirtschaftliche Rückstand des Landes überwinden? Wie hoch ist die Gefahr einer massiven Zuwanderung von türkischen Arbeitskräften in die reicheren Regionen der Union? Wie steht es mit den Menschenrechten? Greifen die demokratischen Reformen der jetzigen Regierung oder bleiben die neuen Gesetze Papiertiger?
Die Dokumentation lässt neben den türkischen EU-Befürwortern auch europäische Politiker und Türkeiexperten zu Wort kommen, Für und Wider dieser brisanten Fragen werden eingehend diskutiert.
Die Dokumentation führt von der europäischen Metropole Istanbul über die Hauptstadt Ankara, das Herz der kemalistischen Doktrin, nach Diyarbakir, Hochburg der Kurdenregion im wirtschaftlich unterentwickelten Osten. Er zeigt ein differenziertes Bild der modernen Türkei und vergleicht die Realitäten des Landes mit der aktuell in Europa geführten Diskussion.

Teil 2: Gesprächsrunde
Diskussion

Teil 3: Die Türken kommen
Dokumentarfilm, Deutschland 2004, RBB, Erstausstrahlung
Von: Züli Aladag

Die Diskussion um den EU-Beitritt der Türkei ist kontrovers. Der Vorschlag aus den Reihen der CDU, in Deutschland eine Volksabstimmung zu diesem Thema zu initiieren, löste heftige Reaktionen aus. Züli Aladag porträtiert türkische Unternehmer, liefert eine Innenansicht der Türkei und zeigt ihr Verhältnis zu Europa.


Gehört die Türkei in die EU? Führende EU-Politiker haben sich eindeutig für Beitrittsverhandlungen ausgesprochen, doch die Kontroverse um den Beitritt des Landes hält an. Wie denken türkische Unternehmer über ihr Heimatland und sein Verhältnis zu Europa? Der Dokumentarfilm stellt einige von ihnen vor. Familie Tan führt in Istanbul ein erfolgreiches Textilunternehmen. Mustafa (53), seine englische Frau Pauline (46) und seine Schwester Muzaffer Tan (43) betreiben gemeinsam vier Fabriken und exportieren Socken in rund 30 Länder. Der Aprikosenproduzent Nevzat Öztürk (48), Ökonom und Spross einer feudalen Großgrundbesitzerdynastie aus Malatya in Ostanatolien, hofft auf die EU-übliche Unterstützung der Landwirtschaft. In der Region leben vor allem Kurden; alle hier freuen sich über die Verbesserungen in Menschenrechtsfragen, die seit der Pro-Europa-Offensive der amtierenden Regierung Erdogan zu spüren sind. Für sie kann einzig die EU dafür sorgen, dass der Prozess der demokratischen und wirtschaftlichen Umwälzungen unumkehrbar wird. Hans Otto Nagel (59), gebürtiger Deutscher, dirigiert von Istanbul aus den Bau von Einkaufszentren nach amerikanischem Vorbild in der gesamten Türkei. Für ihn ist die Türkei ein "neues Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Aynur Boldaz (37) stammt aus einem kleinen Dorf in Ostanatolien. Vor rund 17 Jahren heiratete sie nach Deutschland, ohne auch nur ein Wort Deutsch zu können. Heute ist die Mutter einer Tochter geschieden, betreibt ein Gebäudereinigungsunternehmen und ist Mitglied der CDU. Ihre Parteifreunde sind mehrheitlich gegen den Beitritt. "Die Vorurteile in der CDU kommen daher, dass man sich nicht kennt oder nicht kennen lernen will", findet sie.


 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...