zurück Mehr Chancen für die Minderheiten

Die Idee der "positiven Diskriminierung" entstand Mitte der 60er Jahre in den USA als Antwort auf die Ungleichbehandlung der Rassen. Kann sie auch ein Modell zum Ausgleich der sozialen und kulturellen Unterschiede in europäischen Gesellschaften sein? Der Themenabend versucht eine Antwort auf diese Frage zu geben.
Wie steht es in Frankreich und Deutschland mit der Diskriminierung? Haben in Deutschland Frauen und Ausländer trotz gleicher Kompetenzen weniger gute Berufschancen als Männer und Deutsche? Werden in Frankreich die französischen Nachkommen von Einwanderern und Franzosen dunkler Hautfarbe beruflich benachteiligt? Und wenn dem so ist, woran genau liegt das? Oft wird die in den USA praktizierte "affirmative action" beziehungsweise "positive Diskriminierung" als Lösungsmodell zitiert. Ist sie aber wirklich angemessen für die gesellschaftlichen Probleme in Frankreich und Deutschland? Der Themenabend versucht die Frage zu beantworten. Durch den Abend führt Daniel Leconte

Teil 1:
Wunderwaffe Quote ?
Dokumentation, Frankreich 2006, Erstausstrahlung
Regie: Michaëlle Gagnet

Die Dokumentation untersucht die Diskriminierung von Frauen und Minderheiten in Deutschland und Frankreich. Während in Deutschland eine Frauenquote eingeführt wurde, um das weibliche Geschlecht am beruflichen Erfolg teilnehmen zu lassen, stehen in Frankreich die Nachkommen von - vor allem farbigen - Einwanderern im Mittelpunkt des Interesses.

Welche Minderheiten werden benachteiligt? Warum lässt sich die viel beschworene Chancengleichheit so schwer durchsetzen? Die Dokumentation berichtet von Erfahrungen mit der "positiven Diskriminierung" in Frankreich und Deutschland. In Deutschland geht es vor allem um die Frauenfrage. In den politischen Parteien und der Bundeswehr wurden Frauenquoten eingeführt. Wie effizient ist diese Quote und wie gehen die Beteiligten damit um? Unter anderen erzählt Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, wie die Quotenregelung ihre Laufbahn positiv beeinflusst hat. In Frankreich, dem Mutterland der Menschenrechte, das die republikanische Idee gegen den angelsächsischen Kommunitarismus ins Feld führt, gilt die Gleichbehandlung ungeachtet von Hautfarbe, Herkunft und Religion als gewährleistet. Schaut man aber genauer hin, kommt eine andere Wirklichkeit zum Vorschein. Unter den jungen Franzosen, deren Familien einst ins Land immigrierten, ist die Arbeitslosigkeit fünf Mal so hoch wie in der vergleichbaren "urfranzösischen" Altersklasse. Auf dem Fußballplatz mag es noch gemischt zugehen, aber in den oberen Etagen der großen Unternehmen und in der Nationalversammlung herrscht absolut die Farbe weiß. Was unternimmt Europa wirklich für die Integration? "Nicht viel", räumt der ehemalige französische Minister für Industrie und Raumordnung Roger Fauroux ein, der ein Buch über die Diskriminierung bei der Arbeitssuche geschrieben hat. Die Dokumentation untersucht unter anderem die Lage in Betrieben, die neuerdings zu einer "Charta der Vielfalt" stehen, und in der Kaderschmiede "Sciences Po", eine der Eliteschulen Frankreichs, die eine Art Quotenregelung für Abiturienten aus Problemvierteln eingeführt hat.

Teil 2: Ein Schwarzer im Weißen Haus ?
Dokumentation, Frankreich 2006
Regie: Barbara Necek

Die US-amerikanischen Erfahrungen mit der "positiven Diskriminierung" im Umgang mit Minderheiten sind in Europa umstritten. Worin genau besteht dieses Modell zur Integration in den USA? Wann wurde diese Politik eingeführt und wie hat sie sich ausgewirkt?

Hervorgegangen ist die Politik der "positiven Diskriminierung", auch affirmative Aktion genannt, aus der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre in den USA. Sie sollte der ungerechten Behandlung der Afroamerikaner, der Hispanoamerikaner, der indianischstämmigen Amerikaner und auch der Frauen ein Ende setzen. 1965 wurde die "positive Diskriminierung" unter der Regierung Lyndon B. Johnsons gesetzlich geregelt: Unternehmen und Universitäten waren fortan dazu angehalten, bei Einstellung und Immatrikulation zur Erfüllung bestimmter Quoten auf Hautfarbe und Geschlecht zu achten. Doch wie sieht es heute, 40 Jahre nach Einführung dieser Regelung aus? Wie erfolgreich war sie? Oder führt die "positive Diskriminierung" zu "umgekehrtem Rassismus"? Tausende demonstrierten im Jahr 2003 in Washington vor dem US-Gerichtshof, weil einige weiße Studenten nicht zur Universität von Michigan zugelassen worden waren. Nachdem sich bereits Kalifornien, Florida und Texas sowie der Staat Washington von der "affirmativen Aktion" verabschiedet haben, will Michigan 2006 ein Referendum dazu organisieren. Umfragen prognostizieren, dass sich 64 Prozent der weißen Bevölkerung für die Abschaffung der "affirmativen Aktion" aussprechen werden. Wie steht es also mit dem amerikanischen Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

Die Dokumentation untersucht Praxis und Problematik der "positiven Diskriminierung" anhand der Lage im US-Staat Michigan, der wegen seiner ethnischen und gesellschaftlichen Komplexität besonders repräsentativ für die USA ist. Gezeigt werden Porträts von Bürgern, Berichte über den Umgang mit der "positiven Diskriminierung" in öffentlichen Einrichtungen und Betrieben und ein hoch interessantes Interview mit dem ehemaligen US-Außenminister Colin Powell.

Teil 3: Gesprächsrunde
Gesprächsrunde
Diskussion, Frankreich 2006, ARTE F, Erstausstrahlung




Cem Özdemir
Europa-Abgeordneter - B90/ Grüne

Yamina Benguigui
Filmemacherinn

Dominique Sopo
Vorsitzender von SOS Racisme
 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...