PALÄSTINA AM SCHEIDEWEG

Auch wenn um seinen gesundheitlichen Zustand weiterhin Unklarheit herrscht, so steht fest: Die Symbolfigur des palästinensischen Widerstandes wird nicht mehr an die Spitze seines Volkes zurückkehren. Die Nach-Arafat-Ära hat bereits begonnen. Wer auch immer seine Nachfolge antritt, die Zukunft Palästinas ist ungewisser denn je.
 
Teil 1: Jassir Arafat –Kampf für Palästina
Dokumentation
BBC-Produktion, GB, 1999, 60 Min.

Als Arafat 1974 auf der Generalversammlung der Vereinten Nationen aufstand, um eine Rede zu halten, verrutschte seine Uniformjacke und man sah ein Pistolenhalfter. „Ich halte den Olivenzweig in der Hand und trage die Pistole, um den Olivenzweig zu schützen“, erklärte er. Jassir Arafat : Friedenskämpfer, Staatsmann oder Terrorist?


Im Jahr 1948 ging der größte Teil Palästinas im Staat Israel auf. Übernacht wurde die Mehrheit der Palästinenser zu Flüchtlingen, die gezwungen waren, in arabische Nachbarländer oder in die noch unter arabischer Kontrolle stehenden palästinensischen Gebiete zu fliehen. Die Rückkehr dieser Menschen in ihre Heimat wurde das Lebensziel eines jungen Palästinensers: Jassir Arafat.
Arafat wurde in Kairo geboren. Sein Vater stammte aus Gaza und als Kind besuchte er häufig seinen Onkel Salim Abu Saud in Jerusalem. Seine Familie waren gläubige Muslime. Während des Studiums der Ingenieurwissenschaften an der Universität in Ägypten schloss sich Arafat muslimischen Aktivisten an. Er war etwa 18 Jahre alt, als der israelische Staat ausgerufen wurde. Es war eine stürmische Zeit für die gesamte arabische Welt. Oberst Nasser forderte die Briten in Ägypten heraus, und die arabische nationalistische Bewegung erstarkte. Der Kampf um einen arabischen Staat, der sich vom Atlantik bis zum Golf erstreckte, drängte jedoch die Sache der Palästinenser in den Hintergrund. Arafat, der inzwischen Bauingenieur und Geschäftsmann geworden war, setzte sich mit seiner ganzen Kraft und seinem Geld für die Sache der Palästinenser ein. Er gründete seine eigene politische Partei mit dem Namen „Fateh“, das arabische Wort für „Eroberung“.
Im Jahr 1964 war Arafat nach Syrien gezogen. Der Guerilla-Krieg hatte begonnen. Seine Kämpfer begannen, Israel anzugreifen und über die jordanische und syrische Grenze in das Land einzufallen. Ihr militärischer Erfolg hielt sich in Grenzen. Nasser billigte die Schaffung der Palästinensischen Befreiungsorganisation im gleichen Jahr. Drei Jahre später wurde der Nahe Osten durch einen Krieg erneut auf den Kopf gestellt. Zwischen dem 5. und 10. Juni 1967 besetzte Israel die Halbinsel Sinai, die Golan-Höhen und alles, was vom alten Palästina übrig geblieben war: Ost-Jerusalem, die West Bank und den Gaza-Streifen. Triumphierend stürmten die Soldaten in die Altstadt von Jerusalem. Dies war eine schwere Niederlage für die arabischen Staaten. Junge arabische Männer konnten die Demütigung nicht ertragen. Aus Europa, aus Amerika, aus allen Teilen der Welt kamen sie in den Nahen Osten, um zu kämpfen. Der Augenblick für die Palästinenser war gekommen und Arafat nutzte die Chance. Er übernahm die Führung der PLO. In der Charta der PLO ist die Befreiung Palästinas und die Beseitigung des Zionismus festgeschrieben, das heißt die Zerstörung des israelischen Staates.
Jassir Arafat hat zahllose Attentate und 12 israelische Staatsführer überlebt. Einige behaupten, dass die Zerstörung Israels noch immer sein größter Wunsch sei. Andere, die seiner Sache mehr Sympathie entgegenbringen, erkennen seine Friedensinitiativen an und sind sich bewusst, welch schwierigen Spagat er vollbringen muss: den Friedensprozess in Gang halten und gleichzeitig militante islamische Gruppen wie die Hamas beschwichtigen.
Das Profil und die Lebensgeschichte dieses politischen Chamäleons umfasst Interviews mit Shimon Peres, Sir Brian Urquhart, George Schultz, James Baker, Edward Said, Sheik Ahmad Yassin, Joe Sisco und Suha Arafat.

Teil 2: Gesprächsrunde
Moderation Hervé Claude

Agnès Levallois, Chefredakteurin der Zeitschrift „Risques internationaux“, und der Nahostexperte Michael Lüders diskutieren über die Zukunftsperspektiven Palästinas.

Teil 3: Die Kreuzung
Dokumentation, Frankreich / Israel / USA 2003
Von: Ilan Ziv; Idee: Ilan Ziv, Elias Khoury

Die Netzarim-Kreuzung im Gazastreifen ist ein symbolträchtiger Ort des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Zu Beginn der zweiten Intifada im September 2000 verlieren hier der Palästinenser Fahmi und der Israeli David ihr Leben. Um beide trauern nicht nur ihre Angehörigen, sondern sie stehen stellvertretend für beide Völker, die nicht im Leben, sondern erst im Tod miteinander verbunden sind.


Die Netzarim-Kreuzung im Gazastreifen ist ein symbolträchtiger Ort des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Zu Beginn der zweiten Intifada im September 2000 verlieren an dieser Kreuzung der Palästinenser Fahmi und der Israeli David ihr Leben. Fahmis Tod stürzt seine Familie und seine Freunde in tiefe Verzweiflung. Das gesamte palästinensische Volk teilt ihr Leid. Auch Davids Vater, seine Mutter und seine Schwester werden für alle Zeiten um seinen Tod trauern und mit ihnen seine Mitschüler, seine Kameraden aus der Armee und die Familie seines besten Freundes El'Ad, der sich kurz nach Davids Tod das Leben nahm. Wieder bringt der Tod Leid über eine ganze Familie und durch sie über das gesamte israelische Volk. So fordert der tödliche Kreislauf weiterhin seine Opfer und zerreißt das soziale und moralische Gefüge zweier benachbarter Völker, die sich gegenseitig umbringen. Anstatt im Leben sind sie erst im Tod vereint. Dies ist die schreckliche Bilanz, die Regisseur Ilan Ziv aus seinen Dreharbeiten zieht, und gleichzeitig ein Aufruf zum sofortigen Handeln.


 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...