zurück

Schlafen - Nichts als schlafen

Was kann eigentlich alles mit uns passieren, wenn wir schlafen? Und warum finden soviele Menschen nachts keine Ruhe? All diesen Fragen und Rätseln geht der Themenabend in zwei Dokumentationen nach: mit der bereits mehrfach ausgezeichneten Dokumentation "Schlaf - Rätsel der Nacht" über die Wissenschaft vom Schlaf und mit "Bittere Pillen", einer Reportage über Schlafmittel.
Mindestens jeder dritte Erwachsene möchte irgendwann gemeinsam mit Prinz Hamlet das Stoßgebet "to sleep - no more!" sprechen, wenn er wieder einmal keine Nachtruhe findet. Der Schlaf ist unsere Regenerationsphase, einige brauchen mehr, andere weit weniger, doch ganz ohne ihn kommt keiner aus. Aber Insomnia, Schlaflosigkeit, ist nur eines von vielen Geheimnissen, die mit dem Schlaf in Verbindung stehen. Einige wandeln des Nachts, andere erleben nie die so genannte REM-Phase, den Tiefschlaf, der uns erquickt, wieder andere schlafen jederzeit und überall ein, und können so leicht zur Gefahr für sich und manchmal auch für andere werden. In zwei Dokumentationen begibt sich der Themenabend auf die Spur dieser vielleicht rätselhaftesten Phase unseres menschlichen Lebens, in der wir die Verantwortung ablegen und uns in Morpheus Arme begeben. Im Bedarfsfall auch mit Hilfsmitteln aus der Natur oder den Chemielaboratorien.

Teil 1: Schlaf - Rätsel der Nacht
Dokumentation, Italien / Deutschland / Frankreich 2004, Erstausstrahlung
Regie: Enrico Carasuolo, Sergio Fergnachino

Die bereits zweimal ausgezeichnete Wissenschaftsdokumentation der Turiner Filmemacher Enrico Carasuolo und Sergio Fergnachino erzählt die Geschichte einer Reihe von Menschen in Europa und Israel, die an den verschiedensten Schlafstörungen leiden. Eine Reihe von Schlafexperten geben einen faszinierenden Einblick in den rätselhaftesten und unbekanntesten Teil unseres menschlichen Lebens: den Schlaf.

Die bereits zweimal ausgezeichnete Wissenschaftsdokumentation der Turiner Filmemacher Enrico Carasuolo und Sergio Fergnachino erzählt die Geschichte einer Reihe von Menschen in Europa und Israel, die an den verschiedensten Schlafstörungen leiden. Da ist der narkoleptische Ex-Boxer Germano, der israelische Maler Dan Shamir, der auch immer und überall schlafen möchte, der Schweizer Student Philipp, den es Nachts nicht im Bett hält, oder der hochgescheite Yuval Hamzani, der seit einer Kopfverletzung im Sechs-Tage-Krieg keinen Tiefschlaf mehr findet und eine Familie in Italien, die aufgrund einer inzwischen diagnostizierten Prionenerkrankung seit Generationen nicht schläft und darüber im wahrsten Sinne des Wortes den Verstand verliert. Eine Reihe von Schlafexperten, unter ihnen der Doyen der Schlafforschung, Michel Jouvet, und die israelische Autorität auf diesem Gebiet, Peretz Lavie, geben einen faszinierenden Einblick in den rätselhaftesten und unbekanntesten Teil unseres menschlichen Lebens: den Schlaf. Und sie machen Hoffnung, denn für viele Schlafgestörte gibt es inzwischen andere Hilfe als der Griff in den Apothekenschrank.

Zu Wort kommen die Epidemologen François Bricaire und Albert Osterhaus . Sequenzen aus den asiatischen Ländern veranschaulichen die Gefahren, die der enge Kontakt von Mensch und Tier birgt. In Hanoi und Surabaya wird die Arbeit in Labors begleitet, und es werden die Wanderwege der Zugvögel aufgezeigt. Jede Etappe der Untersuchung kommentiert die Dokumentation, 3-D-Bilder verdeutlichen die biologischen und epidemologischen Mechanismen.

Teil 3: Bittere Pillen
Dokumentation, Deutschland 2004, Erstausstrahlung
Regie: Valentin Thurn

Schlafmittel - kleine Pillen, noch in den 60er Jahren waren sie besonders schädlich und nicht selten mit gefährlichen Giftstoffen angereichert. Dennoch bergen sie bis heute eine große Gefahr: die Abhängigkeit von Schlaftabletten und Beruhigungsmitteln. Sie wird auch die "stille Sucht" genannt, weil sie nicht auffällt, aber dennoch sind etwa ebenso viele Menschen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig wie von Alkohol.

Hans S. konnte ohne Tabletten nicht mehr schlafen. Er war leitender Angestellter, doch seine Sucht fiel keinem auf, über 17 Jahre lang, bis der Zusammenbruch kam: Erst verlor er seinen Job, dann seinen Führerschein, dann seine Kinder, schließlich wurde er in eine psychiatrische Klinik zum Entzug eingewiesen. Sein Arzt, der ihm die Rohypnol-Tabletten regelmäßig verschrieb, hätte wissen müssen, dass diese Pillen abhängig machen. Nachdem Hans S. seine Sucht überwunden hatte, verklagte er seinen Arzt vor dem Schiedsgericht der norddeutschen Ärztekammern, und bekam Recht: Erstmalig in einem solchen Fall wurde dem Patienten eine Entschädigung zugesprochen und ein ärztlicher Kunstfehler verurteilt.

Sie wird auch die "stille Sucht" genannt, weil sie nicht auffällt, aber dennoch sind etwa ebenso viele Menschen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln abhängig wie von Alkohol: In Deutschland gibt es über eine Million Tablettensüchtige, in Frankreich sogar drei Millionen. Den schlechtesten Schlaf haben die Hausfrauen: Schon 1967 sangen die Rolling Stones über "Mother's little helper" - Pillen vom Typ Benzodiazepine. Bis in die 80er Jahre verschwieg die Pharmaindustrie wider besseren Wissens ihre Suchtgefahren - ebenso wie sie zuvor die Schädigung von Embryonen durch das Schlafmittel Contergan herunterspielte, und auch die Giftigkeit der Barbiturate. Diese frühen Schlafmittel wurden häufig für Selbstmorde genutzt und sind seit den 60er Jahren verboten. Sie werden heute nur noch in der Schweiz verwendet - für die dort legale Sterbehilfe.

Moderne Schlafmittel wirken nur noch in Kombination mit anderen Drogen tödlich, dafür aber fanden die Junkies schnell heraus, dass die Pillen mit Heroin vermischt einen längeren Rausch ergeben. Und Kriminelle fanden heraus, dass sich Schlafmittel als k.o.-Tropfen und Vergewaltigungsdrogen nutzen lassen. Der Missbrauch lässt sich vor Gericht nur schwer nachweisen, weil die Schlafmittel im Körper schnell abgebaut werden.

 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...