USA, DIE UNVERSTANDENE SUPERMACHT

Wir schauen amerikanische Filme, trinken Coca-Cola und fahren Inlineskates: Der "american way of life" ist fester Bestandteil unserer Alltagskultur geowrden. Doch die politische Kultur der USA und deren Gesellschaft gibt uns Europäern immer wieder Rätsel auf. Was unterscheidet eigentlich Republikaner und Demokraten? Wer bestimmt die amerikanische Außenpolitik? Wie unabhängig sind die Medien? Der Themenabend blickt hinter die Kulissen der Macht und beleuchtet die US-Presse in Zeiten des Irak-Kriegs. ARTE strahlt diese Sendung innerhalb des ARTE-Sonderprogramms "Amerika vor der Wahl" aus.
 
Teil 1: Gebrauchsanleitung USA
Dokumentarfilm, Frankreich 2004
Von: Alain Lasfargue

Die Vereinigten Staaten auf der einen Seite des Atlantiks, Europa auf der anderen: Die beiden Kontinente repräsentieren zwei Lebensweisen, zwei Zivilisationen, zwei Formen der Demokratie, des Zusammenlebens und der Gesellschaft. Die Unterschiede und Divergenzen sind keineswegs nur zeitbedingt und vorübergehend, sondern haben tiefe Wurzeln, die durch den 11. September lediglich verstärkt wurden. Was vereint uns Europäer mit den Amerikanern, was trennt uns von ihnen? Was sind ihre Glaubensvorstellungen und Weltbilder?


Die Vereinigten Staaten auf der einen Seite des Atlantiks, Europa auf der anderen: Die beiden Kontinente repräsentieren zwei Lebensweisen, zwei Zivilisationen, zwei Formen der Demokratie, des Zusammenlebens und der Gesellschaft. Die Unterschiede und Divergenzen sind keineswegs nur zeitbedingt und vorübergehend, sondern haben tiefe Wurzeln, die durch den 11. September lediglich verstärkt wurden.
Was vereint uns Europäer mit den Amerikanern, was trennt uns von ihnen? Um das herauszufinden, bedarf es der vorurteilslosen Beobachtung "unserer amerikanischen Vettern" und des Verständnisses ihrer Werte. Was sind ihre Glaubensvorstellungen und Weltbilder?
Das ist Thema und Ziel des Films von Alain Lasfargues, den Hubert Védrine, engster Berater von Francois Mitterrands in Sachen Außenpolitik und Außenminister unter Lionel Jospin von 1997 bis 2002, kenntnisreich und anregend kommentiert. Der Film enthält sich jeden Urteils und konzentriert sich bewusst auf jene Faktoren, die die Europäer bei der Wahrnehmung der USA gern ausblenden oder unterschätzen.
"Gebrauchsanleitung USA" will den Europäern die Menschen des Landes näherbringen, das seit dem Zusammenbruch des Sowjetreichs die unbestrittene Weltmacht Nummer eins ist. Dabei wird das "typisch Amerikanische" im Kontrast zum "typisch Europäischen" herausgearbeitet und althergebrachten Vorurteilen auf den Zahn gefühlt: amerikanische Einfachheit versus europäische Kultiviertheit, amerikanische Naivität versus europäischer Zynismus, amerikanischer Pragmatismus versus europäische Intellektualisierung, amerikanischer Moralismus versus europäische Kunst des Kompromisses. Warum hegt man in den USA so großes Misstrauen gegenüber dem Staat, woher kommt der ausgeprägte Patriotismus; was bedeutet die Eroberung des Westens, welche Rolle spielt die Religion?

 

Teil 2: US-Medien: Macht und Ohnmacht
Dokumentation, Frankreich 2004, Erstausstrahlung
Von: Yves Boisset

Die amerikanischen Medien scheinen von wenigen Ausnahmen abgesehen im Dienst des Pentagons und des US-Außenministeriums zu stehen. "Die amerikanischen Medien liegen im Koma!", so formulierte es Helen Thomas, die große alte Dame des amerikanischen Journalismus. Doch seit ein paar Monaten scheint auch ein anderer Wind zu wehen, denn einige Zeitungen berichteten über die Folterungen im Abhu Ghraib-Gefängnis und setzten sich kritisch damit auseinander. Sind die amerikanischen Journalisten wirklich nur die Höflinge der Bush-Regierung? Wie stehen die Zeitungs- und Fernsehjournalisten zu dieser Frage, während die hart geführte Wahlkampagne die Geister des Vietnamkrieges heraufbeschwört? Die Dokumentation enthält sich jeder Bewertung und lässt die "Informationsexperten" kommentarlos zu Wort kommen.

Nicht endende Kämpfe in Vietnam, Napalmregen auf Reisfelder, zerfetzte GIs, Flugzeuge bringen die in Plastiksäcken verpackten Leichname in die USA zurück: Unter dem Einfluss dieser schockierenden Bilder wandelte sich die öffentliche Meinung der USA, Präsident Johnson musste zurücktreten, und die amerikanischen Medien wurden zur vierten Macht im Land.
Und heute? Bob Woodward und Carl Bernstein, die furchtlosen Inquisitoren von Watergate, die Nixon zu Fall brachten, gehören jetzt zum Washingtoner Establishment und unterstützen offen die Bush-Regierung.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, scheinen Presse, Film und Fernsehen im Dienst des Pentagon und des US-Außenministeriums zu stehen. Das erschütterndste Beispiel dafür sind die "eingebetteten" Reporter, die als Teil des Informationsdienstes der US-Streitkräfte in den Irakkrieg zogen und brav die offizielle Version des Geschehens verbreiteten, ein Verhalten, das in den 70er Jahren undenkbar gewesen wäre.
Aber nicht nur die Reporter sitzen mit der Regierung in einem Boot. Die Medien insgesamt verbreiten ungeprüft Nachrichten: angefangen bei den 300 kuwaitischen Säuglingen, die angeblich von Irakischen Soldaten erstickt wurden, bis zur grotesk inszenierten Demontage von Saddam Husseins Standbild in Bagdad. Dokumente - wenn man sie denn so nennen kann -, die kritiklos übernommen werden und oft Anlass zu Analysen und Berichten von seltener Grausamkeit sind.
Seit der Tragödie des 11. September formuliert es Helen Thomas, die große alte Dame des amerikanischen Jourrnalismus, kurz und bündig so: Die amerikanischen Medien liegen im Koma! Doch seit ein paar Monaten scheint auch ein anderer Wind zu wehen, denn einige Zeitungen berichteten über die Folterungen im Abhu Ghraib-Gefängnis und setzten sich kritisch damit auseinander. Andere Zeitungen äußerten sich sogar reumütig über ihre Unterstützung des US-Feldzugs im Irak samt seiner Rechtfertigung durch lügenhafte Behauptungen über das Vorhandensein von Massenvernichtungsmitteln in diesem Land.
"Watchdogs" oder "lapdogs" - Wachsamkeit gegenüber der Macht oder heimliches Einvernehmen mit ihr? Nehmen sich die amerikanischen Journalisten den Mut und das Berufsethos ihrer älteren Kollegen, die sich in den 60er Jahren als das demokratische Gewissen der Nation verstanden, zum Vorbild, oder ziehen sie es vor, Höflinge der Bush-Regierung zu sein?
Wie stehen die Zeitungs- und Fernsehjournalisten zu dieser Frage, während die hart geführte Wahlkampagne die Geister des Vietnamkrieges heraufbeschwört? Die Dokumentation enthält sich jeder Bewertung und lässt die "Informationsexperten" kommentarlos zu Wort kommen. Das Ergebnis: eine gnadenlose Selbstkritik und offene Darstellung amerikanischer Missstände.
 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...