zurück

Geflügel gleich Gefahr? Die Vogelgrippe

H5N1 hat Westeuropa erreicht: Weitere infizierte Wildvögel haben deutlich gemacht, dass sich das Vogelgrippe-Virus weltweit ausbreitet. Noch ist der gefährliche Erreger in Deutschland nicht auf Nutztiere übergegangen. Der Themenabend geht dem Ursprung der Tierseuche nach, untersucht die tatsächliche Bedrohung für den Menschen und erklärt, wie man sich vor ihr schützen kann.
Den Prognosen der optimistischsten Wissenschaftler zufolge wird die Vogelgrippe in spätestens 20 Jahren zu einer realen Bedrohung für den Menschen werden. Wenn eine neue Krankheit auftritt, ist ihr der Mensch erst einmal hilf- und relativ schutzlos ausgeliefert, bis das geeignete Gegenmittel gefunden ist. Im Fall der Vogelgrippe steht nicht einmal den am besten ausgerüsteten Staaten ausreichend Impfstoff zur Verfügung, um das Überleben aller seiner Bürger zu gewährleisten. Plötzlich fühlt man sich an Plagen erinnert, die man längst besiegt glaubte. Die drei Dokumentationen dieses Themenabends untersuchen die tatsächliche Bedrohung dieser neuen Pandemie, ihren Ursprung, ihre Verbreitungsweise, warum sie zum Tod führt und wie man sich vor ihr schützen kann.

Teil 1: H5N1: Dem Virus auf der Spur
Frankreich 2006, Erstausstrahlung
Regie: David Carr-Brown

In China, Indonesien, Thailand traten bisher die meisten Fälle von Vogelgrippe auf, in den Niederlanden wurden die ersten Fälle auf europäischem Boden gemeldet. Wie kommt es zur Entstehung der Vogelgrippe und welche Gefahren birgt sie für Tier und Mensch? In der Dokumentation geben die Epidemologen François Bricaire und Albert Osterhaus Auskunft über die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über das H5N1-Virus.

Diese Dokumentation wurde hauptsächlich in China, Indonesien und Thailand gefilmt, das heißt in den Ländern mit den bisher meisten Opfern; ferner in den Niederlanden, aus denen die ersten Fälle von Vogelgrippe auf europäischem Boden gemeldet wurden. Sie behandelt die Entstehung der Vogelgrippe und zieht eine Bilanz der wissenschaftlichen Erkenntnisse über das H5N1-Virus, seine Verbreitungsweise, seine mögliche Mutation und die Gefahren der Verbindung mit dem menschlichen Grippevirus.

Zu Wort kommen die Epidemologen François Bricaire und Albert Osterhaus . Sequenzen aus den asiatischen Ländern veranschaulichen die Gefahren, die der enge Kontakt von Mensch und Tier birgt. In Hanoi und Surabaya wird die Arbeit in Labors begleitet, und es werden die Wanderwege der Zugvögel aufgezeigt. Jede Etappe der Untersuchung kommentiert die Dokumentation, 3-D-Bilder verdeutlichen die biologischen und epidemologischen Mechanismen.

Teil 2: Die Welt im Grippefieber
Frankreich 2006, Erstausstrahlung
Regie: David Carr-Brown

Wie reagieren Institutionen auf administrativer Ebene wie die Weltgesundheitsorganisation in Genf oder international tätige Pharmalabore, die an einem Impfstoff arbeiten? - Auf der ganzen Welt werden vorsorglich Maßnahmen getroffen, um das Schlimmste zu verhindern. Wie sehen diese konkret aus?

Welche Maßnahmen sind in verschiedenen hoch entwickelten Ländern zur Bekämpfung der Vogelgrippe vorgesehen? Gilles Brucker, der Leiter des französischen Instituts für Krankheitsüberwachung, koordiniert die Hygienemaßnahmen mit den anderen europäischen Ländern. Ferner wird folgenden Fragen nachgegangen: Wie arbeitet die Weltgesundheitsorganisation in Genf in Sachen H5N1-Virus? Wie gedenken beispielsweise Rumänien, Deutschland und Frankreich im Ernstfall zu reagieren? Wie reagieren Pharmalabore auf die drohende Pandemie? Dazu Gespräche mit Forschern des Tamiflu-Herstellers La Roche und Sanofi, des Labors, das an einem Impfstoff arbeitet. Aber der Impfstoff kann erst hergestellt werden, wenn sich die genetische Veränderung des Virus stabilisiert hat. Wird es bis dahin genügend andere virushemmende Wirkstoffe geben? Was ist von Gesichtsmasken zu halten? Wird man H5N1-Infizierte unter Quarantäne stellen? Auf der ganzen Welt werden Anstrengungen unternommen, H5N1-Virus wirksam zu begegnen und das Schlimmste zu verhindern.

 

Teil 3: Die Grenzen der Gemeinschaft
Autoren: Cornelia Kolden und Daniel Münter
Produktion: TagTraum
Redaktion: Andrea Ernst WDR/ARTE 2006

Wie einig ist sich die Europäische Union im Kampf gegen die Vogelgrippe - und wie kooperieren die Länder, um sich auf ein mögliches Ausbrechen der Grippe unter den EU-Bürgern, auf eine globale Pandemie vorzubereiten? Im landwirtschaftlichen Bereich, in der Geflügelwirtschaft, kooperieren die Länder weitgehend miteinander. Die Regeln, wie man die Tierseuche bekämpfen will, sind von Spanien bis in die baltischen Staaten standardisiert. Dennoch zeigen sich auf der regionalen Ebene Unterschiede. Am deutlichsten wird dies in der Diskussion um die Frage: Sollen die Tiere geimpft werden oder nicht? Und was passiert, wenn zum Beispiel Frankreich geimpftes Lebensgeflügel nach Deutschland exportieren will?
Während die Schutzmaßnahmen in der Landwirtschaft noch relativ transparent sind, zeigt das EU-Kooperationsnetz bei einer eventuellen Pandemie gefährliche Lücken. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass das Virus irgendwann von Mensch zu Mensch übertragbar sein könnte, gelten plötzlich die nationalen Grenzen und dann stellt sich die Frage: Sind die Länder der Aufforderung der WHO gefolgt und haben Pläne zur Bekämpfung einer Pandemie aufgestellt? Wie werden sie miteinander kooperieren? Werden alle Länder gleich berechtigten Zugang zu antiviralen Medikamenten und Impfstoffen haben? Oder wird es im Ernstfall Gewinner und Verlierer geben? Europa-Politiker und Experten aus Rotterdam, Stockholm und London nehmen zu diesen Fragen Stellung.

 
...Der Text wurde 1:1 von arte übernommen, die werden schon nix dagegen haben...